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Mythen rund ums Stillen

  • Manuela Triner
  • 24. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Ob eine Frau stillt oder nicht, sollte ihre persönliche Entscheidung sein. Schade wäre es aber, wenn sie sich aufgrund falscher Informationen dagegen entscheiden würde.

 

Stillen schadet dem Busen: Die Brust wird durch das Stillen nicht verändert. Vielmehr sind Veränderungen der Brust schwangerschaftsbedingt und brauchen einige Zeit, um sich zurückzubilden. Frauen mit schwachem Bindegewebe werden wahrscheinlich grössere Veränderungen feststellen. Wer also nicht möchte, dass der Busen sich verändert, darf nicht schwanger werden. Mit dem Stillen hat dies nichts zu tun!

 

Stillpausen von zwei Stunden: Untersuchungen haben ergeben, dass das Stillen in geringeren Abständen weder Bauchweh noch Blähungen verursacht. Im Gegenteil: Heute weiss man, dass ein Baby nach Bedarf gestillt werden sollte, ohne Zeitdruck und ständigen Blick auf die Uhr.

 

Muttermilch ist nicht sättigend genug: Oft haben Mütter Angst, ihre Milch sei zu dünn und deshalb nicht sättigend genug für ihr Baby. Dies stimmt aber ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Muttermilch enthält genau das, was Babys brauchen. Der Bedarf an Flüssigkeit, Fett, Milchzucker, Eiweiss und anderen Nährstoffen wird optimal gedeckt – und zwar für jedes Alter des Babys, denn die Milch verändert ihre Zusammensetzung mit der Zeit. Braucht das Baby mehr, wird es mehr trinken, etwa bei einem Wachstumsschub.

 

Milchprodukte sind Milch bildend: Die Menge der Muttermilch kann nicht durch Milchprodukte wie etwa Joghurt oder Quark beeinflusst werden! Hier kommt es in erster Linie auf die Stillfrequenz an. Je öfter das Baby angelegt wird – etwa in Zeiten eines Wachstumsschubs, wenn es häufiger Hunger hat –, desto mehr Milch wird produziert. Dabei sollten die Stillmahlzeiten ausreichend lang sein. Ausserdem ist es evtl. sinnvoll, das Baby abwechselnd an der linken oder rechten Brust anzulegen, da so die Milchmenge gleichmässig in beiden Brüsten erhöht wird.

 

Wie bei den meisten Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung gibt es auch zum Thema Stillen viele unterschiedliche Meinungen. Dabei gibt es meist zwei grosse Parteien – diejenigen, die Stillen für das Nonplusultra halten und nicht stillende Mütter am liebsten auf Körperverletzung verklagen würden, und diejenigen, die am liebsten gar nicht stillen möchten, sei es, weil sie nicht nur Mutter, sondern auch wieder Frau sein möchten, oder weil sie fürchten, ihren Busen dadurch zu ruinieren.

 

Argumente für das Stillen

 

Die WHO empfiehlt eine Stillzeit von sechs Monaten und das Teilstillen bis mindestens zum zweiten Geburtstag.

 

Schutz vor Infektionen

 

Der Schutz vor Infektionen stellt das wichtigste Argument für das Stillen dar. Bei Kindern unter einem Jahr soll so das Risiko für Infektionskrankheiten um 30–56 % vermindert sein und es soll weniger oft zur Säuglingssterblichkeit kommen. Ausserdem heisst es, dass gestillte Kinder auch später seltener krank werden als nicht gestillte und z. B. weniger häufig an Diabetes mellitus erkranken.

 

Höhere Intelligenz

 

Etliche Studien wollen einen Zusammenhang zwischen dem Stillen und einer höheren Intelligenzentwicklung belegt haben. Angeblich sollen gestillte Kinder, die voll gestillt wurden, einen um sieben Punkte höheren IQ haben und einen höheren gesellschaftlichen Status erreichen als nicht gestillte Kinder. Allerdings trifft dies nur auf Kinder zu, die eine bestimmte Version des Gens FADS2 aufweisen. Allgemein sind solche Studien mit Vorsicht zu geniessen, da es genug Gegenbeispiele gibt und die Intelligenzentwicklung durch viele verschiedene Faktoren bestimmt wird – Stillen alleine genügt leider nicht, um dafür zu sorgen, dass aus einem Kind etwas wird!

 

Stillen fördert die Sprachentwicklung

 

Beim Stillen werden die Bewegungsmuster geübt, die nachher für die Lautbildung benötigt werden. Deshalb kann Stillen förderlich sein für die Sprachentwicklung. Dies heisst aber nicht, dass ein Kind später Sprachstörungen entwickelt, nur weil es nicht gestillt wurde. Jedes Kind hat seine eigene Geschwindigkeit, wenn es um das Erlernen von Sprache geht, und eventuelle Entwicklungsverzögerungen bei nicht gestillten Kindern werden normalerweise später mit Leichtigkeit aufgeholt.


Grössere Mutter-Kind-Bindung

 

Durch das Stillen wird im Körper der Mutter das sog. „Liebeshormon“ Oxytocin ausgeschüttet, das dazu führt, dass die Mutter sich in ihr Baby verliebt. Das frühe Saugen und/oder Berühren an der Brustwarze und Areola (Brustwarzenhof) kann zu einer engeren Bindung zwischen Mutter und Kind führen, vor allem in den ersten 30 Minuten nach der Geburt. Mit anderen Worten: Auch Mütter, die später nicht stillen, können in den ersten 30 Minuten diese Bindung zu ihrem Kind aufbauen. Ausserdem bauen auch Mütter, denen das Baby direkt nach der Geburt zunächst weggenommen werden muss, ebenfalls eine starke Bindung zu ihrem Kind auf – dies dauert nur vielleicht etwas länger, was aber nicht bedeutet, dass sie schlechtere Mütter sind!

 
 
 

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