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Was, wenn ich mein Baby nicht sofort liebe?

Manuela Triner
9. Aug.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Aug.

Es ist einer der Gedanken, den kaum jemand laut ausspricht.

Und genau deshalb fühlen sich viele Eltern schuldig, sobald er auftaucht.


Wir hören so oft von der “Liebe auf den ersten Blick”. Von diesem magischen Moment, in dem das Baby geboren wird und plötzlich alles klar ist. Doch was, wenn dieser Moment anders aussieht?


Was, wenn du nach der Geburt vor allem müde bist? Überfordert. Erschöpft. Vielleicht sogar leer.


Dann stimmt etwas nicht mit dir?

Nein.


Bindung entsteht nicht immer in einem einzigen Moment.

Liebe wächst manchmal langsam.

Wie in jeder anderen wichtigen Beziehung braucht sie Zeit, Begegnung und gemeinsame Erfahrungen.

Die Geburt, egal ob spontan, eingeleitet oder per Kaiserschnitt ist eine körperliche und emotionale Ausnahmesituation. Dein Körper verarbeitet Hormone, Schmerzen, Schlafmangel und unzählige neue Eindrücke. Das dabei nicht sofort Schmetterlinge im Bauch entstehen, ist kein Zeichen dafür, dass du eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater bist.


Es macht dich menschlich.


Der Druck ist oft grösser als die Realität.

Viele Eltern vergleichen ihre Gefühle mit den Bildern, die sie auf Social Media sehen.


Das strahlende Familienfoto.

Die Tränen des Glücks.

Die perfekte Kennenlernzeit.


Doch was wir selten sehen, sind die Nächte voller Unsicherheit. Die Fragen. Das Gefühl, plötzlich für einen kleinen Menschen verantwortlich zu sein, den man erst kennenlernen darf.


Genau dafür braucht es einen geschützten Raum.

Als Doula begleite ich nicht nur Geburten.

Ich begleite Übergänge.

Und manchmal bedeutet das einfach, da zu sein, wenn jemand sagt:


“Ich weiss gar nicht, ob ich das richtig mache.”


Oder:


“Warum fühle ich nicht das, was alle anderen beschreiben?”


Diese Gedanken dürfen da sein.

Ohne Scham.

Ohne Bewertung.


Die wichtigste Beziehung beginnt mit Ehrlichkeit.

Du musst nicht perfekt starten.

Du musst dein Baby nicht in der ersten Sekunde bedingungslos lieben, um eine wunderbare Mutter oder ein liebevoller Vater zu sein.

Ihr dürft euch kennenlernen.

Tag für Tag.

Berührung für Berührung.

Blick für Blick.


Denn Liebe ist nicht immer ein Feuerwerk.


Manchmal ist sie ein Sonnenaufgang, erst kaum sichtbar, dann immer wärmer, bis sie alles erfüllt.

 
 
 

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